| | Telekom: Regulierer macht ernst
Das Wachstum im DSL-Markt könnte für die Telekom bald einen Dämpfer bekommen. Matthias Kurth, Chef der Regulierungsbehörde, kündigte an, bald den Wettbewerb in dem Segment stärken zu wollen.
Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte Kurth in einem Interview, es spreche vieles dafür, dass man mit „regularischen Instrumenten“ für ein so genanntes Bitstream-Angebot sorgen werde. Hinter dem Terminus verbirgt sich ein Vorprodukt für DSL-Anschlüsse, das die Telekom ihren Konkurrenten derzeit noch nicht anbietet. Würde sie es tun müssen, wäre der Gestaltungsspielraum der Konkurrenz nach Einschätzungen von Experten größer.
Nach Marktanalysen ist das mangelnde Angebot der Telekom ein Grund dafür, dass in Deutschland die Verbreitung von schnellen DSL-Anschlüssen ins Internet noch deutlich hinter der in einigen Nachbarländern hinterher hinkt. In Deutschland liegt der DSL-Anteil bei Internet-Zugängen derzeit bei rund 17 Prozent.
Auch eine zweite Besonderheit bei deutschen DSL-Anschlüssen haben die Telekom-Konkurrenten im Visier. Weil DSL-Anschlüsse in der Regel nur in Kombination mit einem Telefonanschluss geschaltet werden, komme die Verbreitung der Internet-Telefonie nicht recht voran. Diese wäre auch mit einem "nackten" DSL-Anschluss möglich, Nutzer könnten auf die alt hergebrachte Telefonleitung durchaus verzichten.
Mobilfunker nutzen Macht aus
Und auch ein zweiter Wachstumsbereich des Telekom-Konzerns gerät nun offenbar bald ins Visier der Regulierungsbehörde. Denn die hat sich auch die Verbesserung des Wettbewerbs im Mobilfunkmarkt zum Ziel gesetzt. In einer Untersuchung hat die Behörde festgestellt, dass den großen Mobilfunk-Anbietern eine "erhebliche Marktmacht" zukommt. Die Preise, die die Mobilfunker für die Weiterleitung von Gesprächen aus dem Festnetz in das Mobilnetz verlangen, könnten als zu hoch beurteilt werden. Diese Preise für die so genannte "Terminierung" seien europaweit auf dem Weg nach unten, so Kurth, "Deutschland sollte da nicht zurück stehen".
Für die Telekom-Aktie könnten die Aussichten kurz vor der Hauptversammlung des Unternehmens am Dienstag eher belastend wirken. Das Unternehmen setzt nach der kürzlich bekannt gegebenen 10-Jahresplanung vor allem auf stabile Wachstumsraten beim Internet-Zugang und im Mobilfunk-Geschäft. Um die Internet-Kundschaft noch besser zu erreichen, wurde die Tochter T-Online wieder eingegliedert. Am Dienstag sollen die Aktionäre dies auch formal beschließen.
Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke dürfte insgesamt große Zustimmung zum Konzern-Umbau der vergangenen zwei Jahre erhalten. Und der geht unverdrossen weiter. Wie Ricke gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" am Wochenende betont hatte, stehen beim Unternehmen weiter Stellenstreichungen an. Begründung: Der rasante technische Wandel. |