| | Pharma statt Sex: Spam wird erwachsen
Irgendwann bekommt jeder die ersten Alterserscheinungen zu spüren, selbst die agilsten und lästigsten Zeitgenossen. So geht es auch einem der agilsten und gleichzeitig lästigsten Phänomene der Internetkommunikation: Spam, die unverlangte Werbe-Email. Das meint jedenfalls America Online, der nach wie vor grösste, aber nicht mehr agilste und auch nicht lästigste aller Internetprovider der westlichen Hemisphäre.
Beim Reinigen der firmeneigenen Spamfilter nämlich wurden mehr Emails gezählt, die für das Medikament Vioxx werben, als solche, die die Betrachtung lesbischer kalifornischer Studentinnen oder den erleichterten Zugang zu männlichen Organvergrösserungen versprechen. Vioxx wurde vom Hersteller Merck inzwischen "freiwillig" vom Markt genommen und sollte ursprünglich besonders gut gegen Artrithis und Schmerzen helfen.
Das heisst also doch wohl, Herr Spam ist der Meinung, dass wir alle uns mittlerweile mehr für Artrithis und weniger für Sex interessieren? Oder? Ebenfalls stark im kommen (sagt AOL) sind ausserdem Werbung für Aktienschwindelfirmen und die Beteiligung daran, bzw. für einen relativ neuen Geschäftszweig, der sich um Phishing, Onlinebankingbetrug und Identitätsdiebstahl dreht. Das hat ja gar nicht mal so lange gedauert.
Ende 69 wurden erstmals zwei Rechner verkabelt und durften rudimentäre Data-Packets hin- und herschicken. Das war dann wohl die Geburt des Internet. Im Jahr 72 wurde es erstmals öffentlich vorgeführt, zusammen mit der Killerapplikation "E-Mail". Kindergarten. Und 83 wurde TCP/IP eingeführt, da war das Netz noch nicht mal 14. Und es sollte bis 94 dauern, bis man vom WWW sprach und Internet ein Massenphänomen wurde. Mit allen schlüpfrigen Begleiterscheinungen. Und nun, nach 35 Jahren der Datenpakete geht es auf einmal schon um Artrithis, Onlinebanking und Aktiendeals. Jetzt kann's ja nur noch aufwärts gehen. Herzlichen Glückwunsch! |