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geschrieben von Marcel am 13.07.2005 - 14:09
Zitat
 Ein Format, das die Musik(industrie) nachhaltig veränderte
Vor bald zehn Jahren, am 14. Juli 1995, bekam ein Audioformat vom Fraunhofer Institut offiziell die Dateiendung .mp3 verpasst und löste damit die .bit-Endung ab. MP3 wurde nicht nur das allgemein verwendete Synonym für den ISO-Standard IS 11172-3 (MPEG Audio Layer 3), sondern ist seither der Inbegriff für komprimierte Musik.


Nach einer internen Befragung haben sich die Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen an diesem Tag dafür entschieden, ihr Audiokompressionsformat MP3 zu nennen:

Datum: Fri, 14 Jul 1995 12:29:49 +0200
Betreff: Endungen fuer Layer3: .mp3

Zitat
 Hallo,
nach der überwältigenden Meinung aller Befragter: die Endung für
ISO MPEG Audio Layer 3 ist .mp3. D.h. wir sollten für kommende
WWW-Seiten, Shareware, Demos,
etc. darauf achten, dass keine .bit
Endungen mehr rausgehen.
Es hat einen Grund, glaubt mir :-)
Jürgen Zeller


Das eigentliche MP3-Format ist seit 1992 durch einen ISO-Standard vor Veränderungen geschützt, erhielt seinen eigentlichen Namen aber erst nach dieser E-Mail. Bis zu 40 Mitarbeiter des IIS arbeiteten an dem Format, das die Industrie damals für praktisch nicht einsetzbar hielt. Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass das IIS den richtigen Weg eingeschlagen hatte.

Aus der Schmuddelecke ist das ehemals durch massives Tauschen bekannte MP3-Verfahren schon lange ausgetreten. Auch wenn es oftmals die Basis für das Tauschen von Musik ist, ist es ein allgemein akzeptiertes Format, welches schon lange nichts Anrüchiges mehr hat. Die MP3-Player verdanken dem Format ihre Kategorisierung, fernab der darunter liegenden Medientechnik. Spieleentwickler nutzen MP3s zur Kodierung von Audioinhalten und auch einige Musikportale verkaufen MP3s, sehr zum Leidwesen der Musikindustrie.

Mit dem MP3-Player soll nach Angaben des Fraunhofer Instituts ein völlig neuer Markt innerhalb der Unterhaltungselektronik entstanden sein. Alleine in Deutschland sollen 3 Millionen Geräte im vergangenen Jahr verkauft worden sein.

Aber das Format ist nicht ganz unumstritten. Denn das Format hat jetzt immerhin über ein Jahrzehnt auf dem Buckel und es gibt mittlerweile effizientere Methoden der Audiokompression, was aber im Zeitalter der Flash-Player im Gigabyte-Bereich nicht wirklich von Belang ist. Jedenfalls hat es bis heute noch kein Format geschafft, eine derartige Verbreitung zu erreichen.

Aber der größte Kritikpunkt sind die Restriktionen im Format selbst. Je nach Sichtweise sind es für den einen zu viel (Lizenzen und Patente), was dazu führte, das OGG-Vorbis-Format als Alternative zu entwickeln, und für den anderen zu wenig (Digital Rights Managment). Gerade Letzteres bescherte dem Nutzer eine schier unüberschaubare Fülle an Musikformaten, die nicht unbedingt in jedem MP3-Player abspielbar sind.

Die Entwickler des MP3-Formats hätten sicher vor zehn Jahren nicht gedacht, welchen Wirbel dieses Format einmal auslösen könnte. Ein Format, das die Nutzung von Musik vereinfachen sollte, ist jetzt die Basis unzähliger Klagen und dem Versuch, den Verkauf von MP3s möglichst zu unterbinden. Ein Format, mit dem auch zehn Jahre nach seiner Benennung große Teile der Musikindustrie nicht umzugehen wissen. Zum Leidwesen der Kunden aber auch kleinerer Labels.


Quelle: Golem.de

geschrieben von Florj am 26.01.2011 - 12:24


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